Bewusstseins-Tools

 

«Nach der Ekstase: Wäsche waschen.» – Jack Kornfield

Der überwiegende Teil der praktischen «Tools» auf dieser Seite sind als bewusste «Hilfe zur Selbsthilfe» zu verstehen und können sich als ausgesprochen nützlich erweisen, wenn es darum geht, intensive und herausfordernde Erfahrungen und Zustände sowie Reinigungs- und Integrationsprozesse, die sowohl beim als auch nach dem Erwachen auftreten können, möglichst reibungs- und widerstandslos zu durchleben. Wenn eine tiefere Präsenz, Bewusstheit und mehr «innerer Raum» der Fall sind, können restliche energetisch-emotionale «Ladungen» auf Zellebene an die Oberfläche gespült werden, um das Körpersystem zu verlassen und es so leichter und freier zurückzulassen. In den meisten Fällen treten solche «Prozesse» jedoch nicht auf, um dich lange mit sich zu beschäftigen – ganz im Sinne der Kernbotschaft einer alten Sufi-Geschichte, die lautet: «Auch das geht vorbei.»

Im Kontext der LOCs 600 bis 699, in dem das «Nicht-Ich» und das «Nicht-Tun» klar erfahren werden kann und von daher auf Krisen, Probleme und Hilfsanfragen von anderen gern mit: «Es gibt nichts, was du tun kannst», oder: «Es ist keiner da, der etwas tun könnte», geantwortet wird, schreibt Ramaji in seinem Buch «1000»: «Wenn du den ganzen Kreislauf dieser Reise durchlaufen hast, macht es wieder Sinn als Mensch zu Menschen zu sprechen und ihnen zu sagen, was sie tun können, um sich selbst zu helfen.»

Außerdem zitiert Ramaji in seinem Buch «Who Am I? Meditation» einen E-Mail-Austausch, in dem er einer Person antwortet, die kürzlich auf LOC 1000 gegangen war: «Du hast das Selbst realisiert. Möglicherweise gibt es noch einen scheinbaren Prozess der Stabilisierung. Manche gehen da hindurch, manche nicht. Das mental-emotionale «Karma,» mit dem sie sich noch auseinandersetzen müssen, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Wenn es noch einen ganzen Haufen zu verarbeiten gibt, kann das verwirrend sein. Eine häufige Annahme ist, dass ab sofort nur noch völliger Frieden und Glückseligkeit der Fall sein werden. Der «höchste» Weise genießt diese Erfahrung tatsächlich. «Geringere» Weise, obschon sie Selbst-realisiert sind, haben eine subjektive «karmische» Dynamik, die störend oder ablenkend sein kann. Wir werden mit allem, was hochkommt, fertig werden – so, wie es notwendig ist.»

Die ersten drei Ansätze auf dieser Seite können vor allem bei «herausfordernden» Emotionen und Traumata nützlich sein; die nächsten drei bei «Gedankenlärm», restlichen Ich-Identifikationen etc.; die 7. und 8. können zu einer tieferen Bewusstheit – der Fähigkeit zu sehen, was da ist – und «innerer Freiheit» führen; und die 9. – Hingabe – ist universell, fast zeitlos und völlig natürlich.

Im Wesentlichen geht es dabei um das Sehen bzw. Durchschauen, das vollständige Erfahren bzw. Da-hindurch-Gehen, Durchfühlen und Durchleben dessen insbesondere von Ängsten und Widerständen – und um die Hingabe an das, was ist, bzw. das, was hochkommt; nicht als eine weitere Art des «Tuns,» sondern als ein natürliches Geschehen im Jetzt.

Nimm dir am besten den Ansatz zur Hand, der dich gerade anspricht, und wende ihn in Ruhe und bewusst an. Du kannst auch direkt springen, indem du auf einen dieser Direkt-Links klickst:

1. Sein, was ist bzw. das Bleiben mit dem, was da ist
2. Sich in das Gefühl «hineinfallen lassen»
3. Mit dem Gefühl «verschmelzen» bzw. «eins werden»
4. Den «Denker» bloßstellen
5. Den Gedanken keinen Glauben schenken oder sie abschneiden
6. Die «Buddha-Meditation»
7. Selbst-Ergründung nach Ramana Maharshi
8. Sich der eigenen Bewusstheit bewusst werden
9. Hingabe

1. Sein, was ist bzw. das Bleiben mit dem, was da ist

Zu Beginn braucht dieser Ansatz vielleicht etwas Übung, weil wir so darauf konditioniert wurden, so genannten «unangenehmen» Gefühlen und Emotionen aus dem Weg zu gehen. Aber wurde sie einmal für eine Weile bewusst angewandt, wird sie so einfach und natürlich wie atmen.

Sei mit dem Gefühl, das gerade da ist. Bewerte es nicht, werde dir einfach dessen bewusst. Richte deine Aufmerksamkeit auf das Gefühl und auf den Körperbereich, wo dieses Gefühl am deutlichsten wahrnehmbar ist. Jetzt fühlst du, was in deinem Körper vor sich geht. Fühle das Gefühl – sei es Schmerz, Angst, Trauer, Wut etc. Du braucht es nicht zu benennen oder zu analysieren. Fühle es einfach im Körper und bleib damit. Lass dich ganz darauf ein. «Sei» es.

Wenn du dabei von Gedanken abgelenkt wirst, richte – sobald du dir dessen bewusst wirst – deine Aufmerksamkeit wieder auf das Gefühl im Körper. Nimm einfach wahr und fühle, was in dir geschieht. Lass es zu und sich genau so zum Ausdruck bringen, wie es ist. Wenn du Widerstand verspürst, richte deine Aufmerksamkeit auf den Widerstand und lass ihn zu. Egal, welches Gefühl gerade auftaucht oder vorherrscht, lass es zu, lass es sich ausdrücken und erfahren. Auch wenn es gerade das Gefühl von Langeweile oder «ich mag jetzt nicht» ist. Lass jedes Gefühl zu, indem du es wahrnimmst, es fühlst und «damit bist.» Ohne den Versuch es zu ändern oder loszuwerden.

Diese Übung kannst du beliebig oft und lange anwenden. Zu Beginn kann es hilfreich sein, sie erstmal zu Hause oder wo immer du ungestört bist zu machen. Wenn du darin geübt bist, kann du sie an jedem beliebigen Ort und jederzeit, auch nebenbei beim Einkaufen oder Spazieren gehen etc., nutzen.

Im besten Fall wendest du diese Übung mehrere Wochen über täglich an, bis sie wie automatisch abläuft. So kann sie dich zu einer völligen Annahme von (d.h. Abwesenheit von Widerstand gegenüber) allem, was in dir auftaucht und gefühlt wird, führen und eine enorme Erleichterung und Befreiung darstellen. Also mach es einfach und wende diesen Ansatz so oft und so lange wie nötig an.

Anssi Antila erklärt es so: «Was fühlst du jetzt? Ist das dein liebster Zustand? Falls nicht, dann tust du dir jetzt nichts Gutes. Gib dich kurz geschlagen. Sage dir: «Es ist okay.» Dann beobachte gleichzeitig deine Atmung und deine Gefühle. Du musst nichts weiter tun: nur Fühlen und Atmen. Tue das so lange, bis das Leben dich zurück in deine Mitte bringt. Teste es.»

2. Sich in das Gefühl «hineinfallen lassen»

Dieser Ansatz ist dem o.a. ähnlich, nur dass du dich hierbei bewusst in das Gefühl oder den Schmerz hineinfallen lässt. Lass dich so lange und so tief hineinfallen, bis du auf dem grundlosen Grund des Gefühls stößt.

Probier es das nächste Mal aus, wenn ein schmerzvolles oder bedrückendes Gefühl in dir auftaucht. Lokalisiere zuerst den Schmerz oder das bedrückende Gefühl im Körper. Nimm es einfach wahr, fühle es und lass dich bewusst mitten hineinfallen. Es kann hilfreich sein, dir dabei vorzustellen, wie du nach hinten hin bzw. rücklings da hineinfällst.

«Verliebe» dich in die Intensität des Fühlens. Erfahre sie durch und durch und bis aufs Innigste, lass dich in in diese «süße Leere» fallen und finde heraus, was übrig bleibt.

Gunnar Gressl, ein befreundeter RASA-Begleiter aus Österreich, schreibt: «Was ich bei vielen im post 1000 (und natürlich auch davor) erlebe, ist die Unzufriedenheit mit dem WAS IST. Das war bei mir auch so und ich erlebe es so gut wie gar nicht mehr. Was jetzt da ist, ist ein 100%iges «JA» zu dem WAS IST (gleich-gültig, was es ist).

Wenn mich jemand fragt, was ich tun kann, dann sage ich oft: Lass dich vollkommen reinfallen in diese Unzufriedenheit. Ich hab’s eh schon mehrmals geschrieben, aber für mich ist das so wie ein innerliches Nach hinten kippen, Nach hinten fallen lassen in die Unzufriedenheit hinein. Da kannst du dich dann nirgends mehr festhalten – freier Fall ins «schwarze Loch.» Lass dich völlig auffressen, verdauen und auskotzen. Also: egal, was auftaucht, was sich zeigt – so beschissen es sich auch anfühlen mag – wisse, es ist DAS, und gib dich dem hin. Kompromisslos.»

3. Mit dem Gefühl verschmelzen bzw. eins werden

Wir sind es gewohnt zu sagen: «Ich habe Schmerzen, Wut, Angst, Depression» etc., anstatt zu sagen: «Ich bin Schmerzen, Wut, Angst, Depression etc.»

Das nächste Mal, wenn eine bedrückende, einengende oder schmerzvolle Emotion oder Empfindung auftaucht, sei damit in dem Wissen, dass du nicht verschieden davon bist, dass du «eins» damit bist. Es gibt keinerlei Trennung zwischen dir und dem Gefühl. Du «bist» es.

Bei starken Emotionen oder Traumata, die sich als «Ladungen» in deinem Körper bemerkbar machen, kannst du diesen Ansatz in einer dreißigminütigen bis einstündigen Meditation anwenden und sie dabei bewusst auf diese Weise erfahren.

Alexander Trampitsch, ein befreundeter RASA-Begleiter aus Österreich, erklärt: «Die Blockade BIN ich. Sie daher nicht mehr wegschieben, sondern bewusst herholen. Ich bin diese Blockade (sie ist Teil von mir), dann damit bleiben in Meditation mindestens eine halbe Stunde. Dann löst Kundalini sie auf.

Ist etwas anders als die Lehre mit dem Schmerz zu bleiben, oder ihn voll zu erfahren. Der Unterschied ist, sie wirklich VOLL integrieren. Nicht nur erfahren, sondern: «Hurrraaaa, ICH BIN diese Blockade!»

Nicht ICH + Blockade, sondern Blockade werden, SEIN.»

Dschalaluddin Rumi sagt: «Die Heilung des Schmerzes liegt im Schmerz.»

Shunryu Suzuki sagt: «Die einzige Möglichkeit, den Schmerz zu ertragen, ist, ihn schmerzhaft sein zu lassen.»

Nikita Gill sagt: «Lass es weh tun. Lass es «bluten.» Lass es heilen. Und lass es los.»

Tipp: Hier gibt es einige, den ersten drei Ansätzen auf dieser Seite verwandte Texte und Sprüche.

4. Den «Denker» bloßstellen

Wenn «negative,» d.h. depressive, sorgenvolle, suchende o.ä. Gedanken, auftauchen, gehe ohne dich weiter mit ihnen zu befassen direkt zur Wurzel, zum «Ich.» Wo befindet sich das «Ich» in diesem Gedankenlärm? «Wer» denkt diese Gedanken? Kannst du ihn bzw. sie ausfindig machen? Kannst du wirklich so etwas wie einen «Denker» in dir lokalisieren?

Wende diesen Ansatz fokussiert an und dann sieh selbst, was vom Phantom des «Denkers» mitsamt seiner bzw. ihrer Sorgen, Ängste und anderer Hirngespinste übrig bleibt.

Eine weitere Variation dieser Übung ist es, dem illusorischen «Denker» in dir zu befehlen: «Denke!», und dann zu sehen, was passiert.

Tipp: Für zusätzliche Klarheit zu diesem Ansatz empfiehlt sich dieser Blog-Beitrag.

5. Den Gedanken keinen Glauben mehr schenken oder sie abschneiden

A) Entscheide dich dafür, den Gedanken ab sofort keinen Glauben mehr zu schenken. Es sind nicht deine, sie kommen und gehen, so wie der Wind durchs Fenster weht. Beschäftige dich nicht weiter mit ihnen und sie werden sich von selbst verziehen! Lass sie einfach «ins Leere laufen.» Kein Denken.

Zen-Meister Shunryu Suzuki formuliert es so: «(…) lass deine Vorher- und Hintertür offen. Lass Gedanken kommen und gehen. Serviere ihnen einfach keinen Tee (befasse dich einfach nicht weiter mit ihnen; das betrifft sowohl «negative» als auch «positive» Gedanken).»

Byron Katie sagt: «Gedanken sind nicht persönlich. Wie Regentropfen tauchen sie einfach auf. Würdest du dich mit einem Regentropfen streiten?»

Nisargadatta Maharaj sagt: «Beobachte deine Gedanken so, wie du den vorbei fahrenden Verkehr beobachtest. Menschen kommen und gehen; du registrierst sie ohne Reaktion.»

«So etwas wie einen Frieden des Verstandes gibt es nicht. Verstand bedeutet Störung. Ruhelosigkeit bzw. Rastlosigkeit ist der Verstand.»

«Lass deinen Verstand in Ruhe, das ist alles. Steig nicht drauf ein.
Es gibt letztendlich gar keinen Verstand — mal abgesehen von den Gedanken, die kommen und gehen und ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten folgen und nicht deinen. Sie beherrschen dich nur, weil du dich für sie interessierst.
Es ist genau so, wie Christus sagte: «Widerstehe nicht dem Bösen.» Indem du dich dem «Bösen» widersetzt, stärkst du es nur.»

Die Band «Here 2 Here» singt in ihrem Lied «Ego?»: «(…) das Einzige, was sich mit dem Verstand herumschlägt, ist der Verstand.»

Alexander Trampitsch sagt: «DU hast noch NIE einen einzigen Gedanken gedacht.»

Papaji sagt: «Bleib still. Berühre die Gedanken nicht. Lass sie frei. (Lass sie in Ruhe.)»

Vergeude deine Zeit nicht damit, den Verstand zu reinigen, denn der Verstand kann niemals rein sein. Schon der Wunsch, rein zu sein, ist ein Trick des Verstandes. Und du musst den Verstand loslassen, denn er existiert nicht. Wie kannst du etwas loslassen, das nicht existiert?»

B) Das nächste Mal, wenn Gedanken auftauchen, schneide sie Kraft deines Bewusstseins ab. Ganz egal, wovon sie handeln (dem «Inhalt») oder wie schön oder hässlich sie zu sein scheinen. Wann immer Gedanken auftauchen, schneide sie einfach ab.

Ramana Maharshi sagt, «Sobald ein Gedanke auftaucht, muss er sofort abgeschnitten werden.»

Hier sind hier einige Aussagen von Sri Bhagavan, die zu weiteren Einsichten führen können:

«Die Gedanken sind nicht meine.

Dieser Körper ist nicht meiner.

Alles geschieht automatisch.

Da ist niemand (da ist gar keiner).

Sehen ist Freiheit.

Das einfache Sehen ist ausreichend.

Um was geht es im Leben? Um das Sehen, was in einem vor sich geht.

Leiden ist niemals in der Tatsache bzw. der Begebenheit, sondern einzig in der Wahrnehmung der Tatsache (nie «da draußen» oder im «Anderen», sondern immer nur in der eigenen – bewussten oder unbewussten – Wahrnehmung dessen; niemals in der Erfahrung, der Situation, den Umständen, Gedanken, Emotionen, Empfindungen etc., sondern nur in der gedanklichen Interpretation oder Auffassung dessen bzw. in der Art und Weise, wie es «erscheint»).»

Der Inhalt (von Gedanken, Emotionen, Erfahrungen etc.) ist niemals wichtig, sondern wichtig ist, ihn (so) zu erfahren (wie er ist).

Alles, was voll erfahren wird, wird zu Glückseligkeit (bzw. Freude, Frieden, Stille etc.).

Alle Dinge sollten natürlich und spontan geschehen.

Die Manipulation des Flow (bzw. das Hadern mit oder der Widerstand gegen die gegenwärtige Erfahrung) ist die Entstehung des Leidens.

Jegliche Fortbewegung weg von dem, was ist, ist Leiden.

Widerstand ist Leiden. Wo Einssein (bzw. Bewusstheit) der Fall ist, gibt es keinen Widerstand.»

Das Loslassen von Widerstand ist Akzeptanz.»

Das, wogegen du dich wehrst (bzw. sträubst, widersetzt), bleibt bestehen.

Was ist, ist einfach.

6. Die «Buddha-Meditation»

Dieser vom Buddha überlieferte Ansatz kann dir dabei helfen, dich als die freie Bewusstheit zu erkennen, die völlig unberührt ist von dem, was scheinbar gerade geschieht. Seine bewusste Anwendung in Meditation oder in Alltagssituationen eignet sich vor allem dann, wenn du scheinbar gerade mit etwas haderst oder dich mit «nervenden» Gedanken oder «anstrengenden» Emotionen identifizierst.

Meditiere und beobachte alles, was auftaucht (Gedanken, Emotionen, Empfindungen, Körper etc.), kontempliere, wisse und sieh:

Alles, was erscheint,
1. bin nicht Ich,
2. ist nicht Meins,
3. ist keine Aussage über Mich.

Nisargadatta Maharaj sagt: «Du beobachtest das Fühlen des Herzens, das Denken des Verstandes und die Aktivitäten des Körpers. Dieser Vorgang der Wahrnehmung zeigt, dass du nicht das bist, was du wahrnimmst.»

Alexander Trampitsch sagt: «In Wahrheit bist DU da NIE drinnen.»

Ramana Maharshi sagt: «Lass kommen, was kommt. Lass gehen, was geht. Sieh, was bleibt.»

Zum Abschluss noch einmal der Buddha: «Sieh, was ist. Sieh, was nicht ist. Folge dem wahren «Weg» (bleibe der Wahrheit treu).»

7. Selbst-Ergründung nach Ramana Maharshi

Die Selbst- bzw. Ich-Ergründung oder -befragung (sankr. Ātma-vichara) ist dir möglicherweise ein Begriff. Dabei stellst du dir innerlich die Frage: «Wer bin ich?» Diese Frage sollte nicht verbal oder gedanklich beantwortet werden, sondern kann dich in das direkte «Sehen» deiner Wesensnatur führen, d.h. du kannst zum Kern des «Ichs» vordringen, herausfinden, wie dieses «Ich» beschaffen ist, und dich in die Bodenlosigkeit deines «Innern» fallen lassen. Was dann bleibt, ist DAS.

Diesen Ansatz kannst du jederzeit entweder mit Augen geöffnet oder geschlossen anwenden und besonders dann, wenn «störende» Gedanken vorbeiziehen. Frage dich einfach selbst: «Wem kommen diese Gedanken?», «Wer ist sich dieser Gedanken bewusst?», und: «Worin tauchen diese Gedanken auf?» Erwarte dabei keine bestimmte Antwort, sondern lass dich einfach von dieser «offenen Fragestellung» in eine tiefere Bewusstheit deiner Selbst führen.

Ein weiterer Schritt ist, den «Denker» oder «Ich»–Gedanken explizit aufzuspüren. Finde dabei mit der Frage «Wer?» bzw. «Was?» heraus, wo der vermeintliche «Denker» sich genau in dir befindet. Sei dir des «Ich»-Gedankens bewusst, gehe ihm auf die Schliche und auf den Grund. «Sieh,» was sich im Zentrum bzw. an der Wurzel des «Ich»-Gedankens befindet. Und dann bleibe bzw. verweile in diesem gedankenleeren «Raum» und sieh, was übrig bleibt.

Noch ein Schritt tiefer liegt die «Selbstergründung in zwei Schritten,» bei der du den «Ich»-Gedanken mit diesen zwei kraftvollen Fragen sanft und beständig entlarven und anschließend zum «Herzen auf der rechten Seite» (von wo aus er laut Ramana Maharshi ursprünglich aufsteigt) zurückverfolgen kannst:

«Wer bin ich?» oder: «Wer bzw. was macht gerade diese Erfahrung?» von Gedanken, Emotionen, Körper, Sinneseindrücken etc.

«Woher kommst dubzw. «Von wo steigst du auf?»; an den «Ich»-Gedanken gerichtet.)

Ramana Maharshi sagt:

«Von allen Gedanken, die im Verstand aufsteigen, ist der «Ich»-Gedanke der erste.

Du musst dich nach innen wenden (die Aufmerksamkeit nach innen richten) und «sehen,» von wo der Verstand aufsteigt. Dann wird er abfallen.

Nur die Vernichtung des «Ichs» ist Befreiung. Aber sie kann nur realisiert werden, indem du das «ICH–ICH» ständig im Auge behältst. Von daher ergibt sich die Notwendigkeit der Ergründung des «Ich»-Gedankens.

Realität ist einfach das Abfallen des «Egos» («Ich»-Gedankens). Zerstöre das «Ego», indem du seine Identität suchst (ergründest). Weil das «Ego» keine Entität (Wesenheit) ist, wird es automatisch verschwinden und die Realität wird aus sich heraus erstrahlen.

Nisargadatta Maharaj sagt:

«Mit Selbsterkenntnis meine ich die vollständige Erkenntnis dessen, was du nicht bist. Eine solche Erkenntnis ist zugänglich und endgültig. Aber die Entdeckung dessen, was du bist, ist grenzenlos. Je mehr du entdeckst, desto mehr bleibt noch zu entdecken.

Um zu erkennen, was du bist, musst du erst einmal herausfinden und erkennen, was du nicht bist. Erkenne alles, was du nicht bist: Körper, Gefühle, Gedanken, Raum, Zeit, dies und das. Du beobachtest, wie das Herz fühlt, wie der Verstand denkt und wie der Körper handelt. Nichts, was du konkret oder abstrakt wahrnehmen kannst, kannst du sein. Eben dieser Prozess der Wahrnehmung zeigt, dass du nicht das bist, was du wahrnimmst.

Was wirklich dein Eigen ist, dem bist du dir nicht bewusst. Das, wessen du dir bewusst bist, bist weder du noch ist es dein. Dein ist die Kraft der Wahrnehmung; nicht das, was du wahrnimmst.
Es ist ein Fehler, das Bewusstsein für den ganzen Menschen zu halten. Der Mensch ist das Unbewusste, das Bewusstsein und das Überbewusstsein, aber du bist nicht der Mensch. Dein ist die Kinoleinwand, das Licht und die Sehkraft; aber das Bild bist nicht du.

«ch bin wie eine Kinoleinwand: klar und leer. Die Bilder ziehen darüber und verschwinden wieder und lassen sie so klar und leer zurück wie vorher. Die Leinwand wird von den Bildern in keiner Weise beeinträchtigt, noch beeinträchtigt die Leinwand die Bilder.»

Tipps: Eine einfache, von Elias geführte Selbstergründungs-Meditation mit anschließender RASA-Energieübertragung gibt es hier: Jetzt ansehen
Weitere, vertiefende Anleitungen und Ausführungen zu diesem Ansatz findest du u.a. im Büchlein «Wer bin ich?» über Ramana Maharshi, in den weiteren Büchern über ihn via dieser Seite und in den Videos über ihn auf dieser Seite. Außerdem ist Ramaji’s englischsprachiges, kostenloses Ebook «The Yoga of Self-Inquiry» (nur für Apple-Geräte; als PDF hier), das eine komprimierte und überarbeitete Version seines Buches «Who Am I? Meditation» ist, zu empfehlen.

8. Sich der Bewusstheit bewusst werden

Hier ist ein weitere, sehr direkter Ansatz, der u.a. durch Ramana Maharshi und Nisargadatta Maharaj gelehrt wurde. Dieser Ansatz ist auch bekannt als das «Umdrehen des Lichtes» oder als das «Wiederausrichten der Bewusstheit auf sich selbst.»

Rupert Spira sagt:

«Ich» bezieht sich auf die formlose, nicht-objektive Präsenz von reinem Wissen,
sich der Bewusstheit, die vorübergehend durch die Qualitäten der Erfahrung gefärbt,
aber nie von ihnen begrenzt wird, selbst bewusst zu sein.»

Eckhart Tolle sagt:

«Statt dir irgendetwas bewusst zu sein, sei einfach bewusst, dass du bewusst bist.
Fühle deine eigene Präsenz. Und werde still.»

Ramana Maharshi sagt:

«Bewusstsein (bzw. Bewusstheit) begleitet uns tatsächlich immer.
Jeder weiß: «Ich bin!» Niemand kann sein eigenes Sein bestreiten.

Werde dir bewusst, dass du bewusst bist.
Sage oder denke «Ich bin» und füge ihm nichts hinzu.
Sei dir der Stille, die mit dem «Ich bin» einhergeht, bewusst.
Nimm deine eigene Präsenz wahr –
dieses nackte, unverschleierte, unverhüllte Sein.

Bleibe deiner selbst bewusst und alles Weitere wird sich dir offenbaren.»

Nisargadatta Maharaj sagt:

«Es gibt nichts zu üben. Um dich selbst zu erkennen, sei du selbst. Um du selbst zu sein, höre auf dir vorzustellen, du seist dies oder jenes. Sei einfach. Lass deine wahre Natur zum Vorschein kommen. Bringe deinen Geist nicht aus der Ruhe, indem du suchst.

Lass deine Bewusstheit für dich arbeiten, nicht deinen Verstand. Der Geist ist nicht das richtige Werkzeug für diese Aufgabe. Das Zeitlose kann nur vom Zeitlosen «erreicht» werden. Dein Körper und Geist sind zeitgebunden. Nur die Bewusstheit ist zeitlos, auch im Jetzt.

Ein stiller Geist ist alles, was du brauchst. Wenn dein Geist still ist, wird alles andere auf richtige Weise geschehen. So, wie die aufgehende Sonne die Erde tätig werden lässt, so bewirkt auch die Selbst-Bewusstheit Veränderungen im Geiste. Im Lichte eines ruhigen und beständigen Selbst-Bewusstheit werden innere Energien wach und lassen ohne eigene Bemühungen Wunder wirken.

Die Bewusstheit, die du bist, wird dir deine Augen dafür, was du bist, öffnen. Es ist alles sehr einfach. Stelle zuerst einmal einen ständigen Kontakt mit dir selbst her, sei die ganze Zeit über mit dir selbst. In die Selbst-Bewusstheit fließen alle Segnungen. Beginne als ein Zentrum der Beobachtung, mit absichtlichem Erkennen und werde zu einem Zentrum wirkender Liebe.

Bleibe in dieser Liebe, begib dich da immer tiefer hinein, untersuche dich selbst und liebe die Untersuchung.

Die Einheit des Sehenden und des Gesehenen geschieht, wenn der Sehende sich seiner selbst als der Sehende bewusst wird. Ihn interessiert nicht nur das Gesehene — was er sowieso schon ist — sondern er ist auch daran interessiert, interessiert zu sein; daran, der Aufmerksamkeit an sich seine Aufmerksamkeit zu widmen; daran, sich der Tatsache bewusst zu sein, dass er bewusst ist.»

Tipps: Detailliertere Anleitungen zu diesem Ansatz gibt es auf Englisch u.a. auf dieser Website und in den Büchern und Videos von Rupert Spira. Einen weiteren, ähnlichen Ansatz findest du in den Videos und Büchern von Nisargadatta Maharaj (auch auf Deutsch). Letzterer wird außerdem von Gunnar Gressl in diesem kurzen Video erläutert: Jetzt ansehen

9. Hingabe

Nicht-duale oder «wahre» Hingabe (sanskr. Advaita-bhakti) ist das, was von Ramana Maharshi in diesen kurzen und prägnanten Worten zum Ausdruck gebracht wird:

«Liefer dich restlos an den Grund der Erscheinungen aus. Dann wird nichts als die Realität übrig bleiben.

Es genügt, dass man sich ausliefert. Sich auszuliefern bedeutet, sich dem Urgrund seines Wesens zu übergeben.
(…) Die Quelle ist in dir. Übergib dich ihr. Das bedeutet, dass du die Quelle aufsuchen und mit ihr «eins werden» sollst.

Sich auszuliefern heißt, mit der Quelle des «Ichs» «eins zu werden.»

Indem du deine Aufmerksamkeit ständig auf die Quelle gerichtet hältst, löst das «Ich» sich in der Quelle wie eine Salzpuppe im Meer auf.»

Nisargadatta Maharaj sagt: «Gib dich deinem Selbst, von dem alles ein Ausdruck ist, hin.»

Mooji sagt: «Übergib deine Existenz der EXISTENZ.»

Kurz gesagt ist es die völlige und bedingungslose Hingabe an DAS WAS IST.

Hör auf zu versuchen, lass los und relax. Oder, mit anderen Worten: Gib dich DEM hin, lass ES machen und «tue nichts.»

DAS IST ES
SEI, WAS DU BIST
«SEI EINFACH»

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